Vorsicht! Heiße Getränke sind heiß!
Mittwoch, 18. Februar 2009 12:00 |

Dass in den USA das Verklagen eine Art Volkssport ist, ist seit langem bekannt. Schon vor Jahren rief deshalb der US-Journalist Randy Cassingham die »Stella Awards« ins Leben, Auszeichnungen für die absurdesten Gerichtsfälle. Benannt ist der Preis nach Stella Liebeck, die 1992 mit einem Becher Kaffee in ihr Auto stieg, im parkenden Auto den Kaffee verschüttete und sich die Beine verbrühte. Sie verklagte daraufhin McDonald’s und erstritt 640.000 $ Schadenersatz.
So weit, so komisch. Leider haben derart absurde – und in den USA dennoch erfolgreiche – Klagen zum Teil gravierende Auswirkungen auf Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen aller Art, genauer, auf den Teil, den man gemeinhin als »Sicherheitshinweise« bezeichnet. In den USA ist der Gebrauch dieser Hinweise mittlerweile inflationär. Aber auch hierzulande fühlen sich Hersteller zunehmend erst dann sicher, wenn sie vor jedem möglichen (nicht wahrscheinlichen) Fehlgebrauch und jeder möglichen »Gefahr« ausdrücklich warnen. Diese Anpassung an amerikanische Verhältnisse beschert uns Bedienungsanleitungen, die zwar nur mit 12 Seiten sinnvollem Inhalt glänzen, diesen mageren Informationen jedoch 84 Seiten Warnhinweise in 26 Sprachen voranstellen. Warum? Ganz einfach, man ist schließlich »international aufgestellt« und das Produkt soll auch die Menschen in den Staaten beglücken. Einerseits. Andererseits hat man einen Riesenschiss vor den Möglichketen des amerikanischen Rechtssystems und verliert jeden Blick für die Verhältnismäßigkeit.
Um bei dem Beispiel mit Frau Liebeck zu bleiben: Wer glaubt eigentlich, dass Menschen, die nicht wissen, dass frischer Kaffee heiß ist, lesen können? Und verstehen, was sie lesen? Sind diese Menschen wirklich zu retten mit Hinweisen wie den folgenden (wirklich existierenden)?
Objekte im Spiegel befinden sich hinter Ihnen. (auf einem Motorradspiegel)
Dieses Produkt enthält Nüsse. (auf einer Packung Erdnüsse)
Niemals Kleidung am Körper bügeln! (auf einem Bügeleisen)
Nicht in die Hose stecken! (auf einer Armbanduhr)
Nicht verschlucken! (auf einer Matratze)
Nicht oral verwenden! (auf einer Toilettenbürste)






Freitag, 20. Februar 2009 11:04
[…] Zum Thema “US-Anleitungen, die sich gegen den gesunden Menschenverstand versündigen” gibt es den Eintrag Vorsicht! Heiße Getränke sind heiß! […]
Freitag, 20. Februar 2009 15:40
Nun ja, im Original heißt es tatsächlich »Natural roasted peanuts« auf der Packung und auf der Rückseite »Caution! Contains peanuts«.
Die Warnungen für Allergiker sind allerdings in der Tat sehr wichtig, da beim Produktwechsel in den Abfüllanlagen immer Reste der zuvor verarbeiteten Produkte in die Verpackung geraten können. Das ist eben der Fluch der industriellen Lebensmittelproduktion.
Freitag, 20. Februar 2009 17:32
Heißt das im Umkehrschluss, dass eine Bereicherung in Ordnung ist, wenn man nur ausreichend auf die damit einhergehenden Gefahren für Leib und Leben hinweist?
Ich bin nach wie vor belustigt.