Wahrheit und Lüge im Internet
Montag, 11. Februar 2008 12:00 |
Es ist doch so: Wer heutzutage etwas wissen will, eine Information braucht oder etwas nicht versteht, der fragt Google oder Wikipedia.
Der Blick in Bücher, der Gang in Bibliotheken, bleibt einem verschwindend geringen Prozentsatz der Bevölkerung vorbehalten. Vorbehalten? Nein, er bleibt niemandem vorbehalten, er steht jedem offen. Es ist die pure Bequemlichkeit, die zu dem verqueren Massenanspruch führt, alles und dazu auch noch korrekt im Internet zu finden.
Alles? Korrekt? Wer das glaubt, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Das Internet ist ein urdemokratisches Medium, im Prinzip. Das bedeutet, jeder kann alles veröffentlichen, was er für richtig hält. Keine Instanz kann die Datenflut kontrollieren und den Gehalt klassifizieren. Dies gilt für die Ergebnisse von Suchmaschienenabfragen ebenso wie für das gesammelte Wissen in so genannten Wikis. “Wiki” bedeutet in erster Linie “schnell”, nicht “richtig”. Aktualität steht an erster Stelle. Aber wer sagt, dass die aktuellste Information die richtige ist?
Selbstverständlich werden die Suchalgorithmen von Google ständig verbessert. Klar ist Wikipedia ein geniales Projekt, dem man seinen Qualitätsanspruch nicht absprechen kann. Aber auch diese beiden Giganten sind vor Manipulation und Missbrauch nicht sicher. Immer wieder ist Wikipedia das Ziel von Werbe- oder PR-Aktionen. So genannte Edit-Wars (Schreiben und Überarbeiten von Artikeln durch unterschiedliche Interessengruppen) sind an der Tagesordnung. Da bleibt die Qualität auf der Strecke und die Demokratie gerät an ihre Grenzen. In Wikipedia hat “Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird”. Ist das eine Basis für die Darstelluing von Wissen: die Akzeptanz der Gemeinschaft? Wikipedia hat klare und sinnvolle Regeln, doch es bleibt ein Kampf zwischen Wollen und Können.
Wer sicher gehen will, dass im Internet gefundene Informationen richtig, vollständig oder auch nur halbwegs neutral sind, der kommt um eine Überprüfung nicht herum. Klar, das bedeutet wieder genau den Aufwand, den man eigentlich nicht treiben wollte … und das muss dann jeder selbst wissen, ob es das wert ist.

Bei Wikipedia gilt: Immer mal einen Blick in die Historie unter den Links “Diskussion” und “Versionen/Autoren” werfen.
Ältere Versionen von Websites findet man mit der Wayback Machine.
Die Spezialsuchmaschine Copyscape findet Kopien von Webinhalten und enttarnt Plagiate.
Wenn man wissen will, wer eine Domain betreibt, dann hilft eine Whois-Datenbank, zum Beispiel die der DENIC (Deutsches Network Information Center) oder die der IANA (Internet Assigned Numbers Authority).
Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Informationen aus dem Netz zu verifizieren. Nicht vergessen: Dazu gehören auch Bücher!
PS: Bitte überprüfen Sie diesen Artikel mit eigenen Recherchen!





Dienstag, 12. Februar 2008 12:51
Du sprichst mir aus der Seele, Klaus.
Einen schönen guten Tag.
Was wohl bei alledem mitschwingt ist die gewisse Ehrfurcht vor dem geschriebenem Wort. “Da steht’s geschrieben” - also muß es auch richtig sein.
Vielleicht fing es sogar mit der Bibel an?
Man glaubt einfach dem geschriebenen Wort. Das war schon immer so. Und läßt sich auch heute noch auf alle Medien übertragen.
Was halt jetzt hinzukommt, ist das neben sog. Fachleuten auch sog. Laien zu Wort kommen können. Fluch oder Segen sei dahingestellt.
Schlimm finde ich allerdings die Entwicklung - meine persönliche Meinung und hat keinen statistischen Wert - das offensichtlich Fachbücher auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Mir kommt es manchmal so vor, als wenn Autoren sich im Auftrage von Verlagen eines Themas annehmen und in kürzester Zeit ohne das Thema selbst gelebt oder erfahren zu haben, eher Referate abliefern zu denen sich seinen Teil denken muß.
Stellenweise haben es sogar echte Fachleute schwerer ein Fachbuch verlegen zu lassen, als die Verlags”eigenen” Autoren.
Einer unserer Kunden durchlebt gerade diese Situation.
Gruß vom Elbstrand
Oliver Schuh