Audioguide statt Handbuch
Freitag, 21. September 2007 12:00 |
Handbücher für die Bedienung von komplexen Geräten und Maschinen bestehen zum einem großen Teil aus Beschreibungen. Der Leser muss erst einmal Systematik, Zielsetzung und Möglichkeiten eines neuen Produktes kennenlernen, bevor es an das Drücken von Knöpfen oder das Konfigurieren von Parametern geht. Die Betonung liegt auf Lernen. Denn das erworbene Grundwissen ist Voraussetzung für die zielgerichtete Bedienung eines jeden technischen Gerätes. Das gilt selbst für Allerweltsgeräte wie Handys: Wenn der Sinn einer Tastensperre nicht bekannt ist, nützt auch die Handlungsanweisung zur Eingabe der entsprechenden Tastenkombination nichts.
Nun ist das Lesen von längeren Texten bekanntlich etwas, das Zeit erfordert. Zeit ist auf der einen Seite etwas, das viele Menschen nicht mehr haben oder lieber für andere Dinge nutzen. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge “tote” Zeiten: Im Stau auf der Autobahn, bei Fahrten mit der Bahn, im Fitnessclub auf dem Cardio-Trainer oder beim Bügeln. Was liegt also näher, als diese für den Lernmuskel eher uninspirierenden Leerläufe etwas interessanter zu gestalten - mit einem Audioguide. Kopfhörer aufgesetzt, los geht’s.
Von keiner anderen, die Aufmerksamkeit fordernden Tätigkeit abgelenkt, kann man sich ganz nebenbei mit den interessantesten Funktionen der neu erworbenen Spielekonsole vertraut machen. Oder schon auf dem Heimweg vom Elektromarkt anhören, welche neuen Möglichkeiten das gerade erworbene Klimagerät bietet.
Notorisch unter Zeitnot stehende Ärzte lassen sich von angenehmen Stimmen in die Möglichkeiten der Bildgebung einweisen, die das von der Klinik neu erworbene MRT-System bietet.
Grundlagenkenntnisse über Spin-Gitter-Relaxation, Rephasierungs-Impulse oder Darstellungsoptionen für Voxel werden entspannt, fast spielerisch vermittelt. Unterbrechungen der Wortvorträge durch Musik können das Wohlbefinden und die Aufnahmebereitschaft zusätzlich förden.
Die Vorteile von Audioguides werden noch viel zu wenig im Bereich der professionellen Produktdokumentation genutzt. Und das, während gleichzeitig literarische Hörbücher, auditive Mentaltrainer und Weiterbildungsangebote auf Audio-CD einen Boom erleben. Verschläft die deutsche Industrie hier wieder einen Trend?
Nur so ein Gedanke: Warum bei teuren Maschinen nicht mal einen I-Pod mit installierter Produktpräsentation und Bedienungsanleitung verschenken?




